Wahlkampf. Wahlkampf?

Die Bundestagswahl ist lange vorbei, die ein oder andere Sondierung auch, aktuell machen uns Koalitionsverhandlungen Spaß. Zeit, zurückzuschauen. Unter anderem zum Wahlkampf. Halt stopp. Wahlkampf? Wer hat sich dieses schlimme Wort ausgedacht? Sind wir im Krieg, noch im Mittelalter, muss der Häuptling mit Pfeil und Bogen den Bambus-Thron verteidigen? Findet irgendjemand, dass „Kampf“ sympathisch und positiv klingt? Oder dass man sich Macht erkämpfen sollte? Partei gegen Partei? Traditionell wird dabei ja mehr über andere hergezogen statt vermeintlich bessere Ideen vorzustellen. Persönlich bis beleidigend, unsachlich bis gelogen – irgendwie Kindergarten. Bedeutet Wahl nicht, (auf) das Volk zu hören? Der Duden assoziiert mit Kampf zuerst „militärisch“, „feindlich“, „handgreiflich“ und „Waffen“. Stimmt, auch im Sport spricht man von Wettkampf. Aber da ist immerhin körperlicher Einsatz gefragt. Oder sollte mir dieser Teil im sogenannten Wahlkampf verborgen geblieben sein? Egal. Warum wirbt man nicht um Wähler, gewinnt Anhänger, präsentiert ein Programm, zeigt politische Wege und Lösungen auf, bittet um Vertrauen, bietet Perspektiven, offeriert Konzepte, empfiehlt, überzeugt, argumentiert … Ganz sicher findet sich für diese Botschaft eine knackige Wortschöpfung. Eine wirklich motivierende. Ich werde darüber nachdenken. Vielleicht mag diese Strategie eine besonders innovative und mutige Partei bei der nächsten Wahl ausprobieren. Einfach mal cool dem Wähler zugewandt, konstruktiv, politisch korrekt und kreativ sein. So, zurückschauen wollte ich, bis zum Wort Wahlkampf bin ich gekommen. Aber wirklich, es ist schon merkwürdig, oder?