Viel hilft viel

Tagtäglich begegnen mir Bilder oder Situationen, bei denen ich mich frage, wer das Prinzip „Viel hilft viel“ erfunden und bei derart vielen Menschen implementiert hat. Ich spreche hier nicht von luxuriösen Symbolen wie Pilcher-Anwesen, Megayachten und goldenen Klodeckeln. Es sind die Banalitäten, die mir die Entscheidung schwer machen: verzweifeln oder totlachen. Meist folgt die Verzweiflung auf das spontane Amüsement. Wie viel Alkohol braucht es für mehr Lockerheit und Spaß, wie viel Ketchup wird eine Portion Pommes vernichten? Warum ist die ehemals sexy Jeans mit ein paar Rissen plötzlich ein Geflecht schmaler Stoffstreifen, das nur noch die Überzahl an Löchern zusammenhält? Wie viele PS hängen in Städten und auf vollen Autobahnen gelangweilt im Motorraum rum – und wie tief muss das Auto liegen, um garantiert in keine Garage mehr zu kommen? Was ist an einem von Make-up komplett verdeckten oder bewegungsresistent gespritzten Antlitz schöner als ein natürliches Gesicht mit ein paar geschminkten Akzenten? Ist die maximal käufliche Flatscreendiagonale richtig gewählt, wenn das Kinosofa nur drei Meter entfernt steht? Warum haben Restaurants mancher Nationalität einstimmig beschlossen, einzelne Gerichte stets als Familienportion aufzutischen? Sind ein paar Hundert Facebook-Freunde wirklich ein Zeichen von Beliebtheit? Die Liste ist endlos. Die Frage, die mich mit Abstand am meisten beschäftigt ist, warum die Protagonisten [m/w/d] nicht selbst den einen oder anderen Irrweg als solchen wahrnehmen. Haben hier Familienmitglieder und andere in die Erziehung involvierte pädagogischen Fachkräfte versagt? Finden sich in der Bibel oder im Knigge derartige Empfehlungen? Keine Ahnung. Ich schließe mit einer meiner Lieblingsweisheiten: „Weniger ist mehr.“ Es hat mehr Stil, sieht besser aus, ist delikater, gesünder, vernünftiger, cooler – auch diese Liste ist endlos. Und aufgepasst: Ein wenig Bescheidenheit und Demut sollen mächtig sympathisch rüberkommen! Meine Meinung.