URBANE RESTRIKTIONEN

Der Unfall in Berlin, bei dem vier Menschen durch einen außer Kontrolle geratenen Porsche Cayenne SUV ums Leben kamen, ist eine Tragödie – furchtbar. Wieder traf es Unbeteiligte und so auch deren Angehörige. Die Trauer und der Aufschrei, über Änderungen im Straßenverkehr nachzudenken, sind zu Recht öffentlich und laut. Aber gerichtet gegen SUVs? Merkwürdig. „Raus aus den Städten mit ihnen“ ist hoffentlich nur eine ungeprüfte Schockreaktion. Wenn nicht, sind dann auch Kompakt-SUVs, Familien-Vans, Mini-Vans und Pick-ups potenzielle Gefährder? Wo fängt die SUV-Gefahr an? Tötet ein in eine vollbesetzte Bushaltestelle fahrender Audi Q2 weniger Menschen als ein Q3, 4, 5, 7 oder Q8? Selbst wenn der 8er theoretisch etwas mehr Unheil anrichten könnte, ist nicht bereits ein Toter einer zu viel? Und schafft das nicht jede Fahrzeugklasse bis zum Kleinwagen? Wenn der Porsche Cayenne (4,92 x 1,98 m, bis 2500 kg, 340 bis 680 PS) künftig draußen bleibt, wer schützt die urbane Bevölkerung vor dem Porsche Panamera Coupé (5,20 x 1,94 m, bis 2500 kg, 330 bis 680 PS)? Was gemerkt? Ich gebe zu, in Innenstädten ist mit Offroad-Bedingungen nicht zwingend zu rechnen – aber hat die Entscheidung für einen SUV vielleicht andere Gründe? Ist der Einstieg für körperlich beeinträchtigte Menschen komfortabler, sind Sitzhöhe und Übersicht angenehmer, Zuladungsmaße und -gewicht oder die Zugkraft für Anhänger maßgeblich? Habe ich je in einem Beitrag so viele Fragen gestellt? Schluss damit. Die Forderung nach einem SUV-Verbot in Innenstädten ist Unsinn. Gestern Diesel, heute SUV, morgen – schauen wir, auf welchen Zug wir populistisch springen können. Ich verrate Ihnen etwas – und das ist weder neu noch sonderlich überraschend: SUVs verursachen keine Unfälle, Menschen verursachen Unfälle! Warum verplomben wir nicht bei auffälligen Fahrern, die relativ leicht auszumachen sind, einen GPS-Chip an ihren Schlitten? Sollen sie statt SUVs die City nicht mehr befahren dürfen! Hausverbot sozusagen. Das tut weh, schreckt ab und macht die Stadt wirklich sicherer. Ebenso wie drastische Strafen, wenn Vorsatz oder Fahrlässigkeit – Schäden an Menschen und Sachen billigend in Kauf nehmend – nachgewiesen wird. Mögen es illegale Rennen sein, überhöhte Geschwindigkeit, Drogen, spätpubertäre Selbstdarstellung oder sinnfreie Aktionen, um eine Autolänge gutzumachen. Ein Auto ist eine Waffe, das muss sich in den Konsequenzen eines Missbrauchs wiederfinden. All das hat mit der Bauart des Fahrzeugs jedoch nichts zu tun. Oh, sorgt sich jemand bei der GPS-Idee um Datenschutz und offensichtliche Bewegungsprofile? Scheißegal, wer sich nicht an Regeln hält und Menschen gefährdet, sollte sich hinter der DSGVO nicht verstecken dürfen. Meine Meinung.