UND WAS IST MIT UNS?

Manche meiner kleinen Geschichten sind vermutlich ganz amüsant. Manche nicht. Die Frage der Menschen „Und was ist mit uns?“ im Zusammenhang mit vielen kleinen und großen Geschehnissen gehört in die zweite Kategorie. Man könnte meinen, dass Machenschaften wie der Dieselskandal mit allen Konsequenzen – für uns Kunden – bereits zur Normalität geworden sind. Wie auch die eskalierenden Handelskriege, die Uneinigkeiten von Flüchtlingsfragen in der EU, Krisensituationen im Iran, in Israel, in Afrika … eine endlose Liste mit Leidtragenden, die meist unbeteiligt sind. Grund für diese bedauerliche Normalität ist, dass nahezu täglich akute Situationen dazu kommen, die unsere Aufmerksamkeit einnehmen und wiederum die Frage „Und was ist mit uns?“ unbeantwortet lassen. Der mächtigste Mann der Welt verhält sich weiter irre, im Zweifel diktatorisch per Dekret oder Notstandsszenarium. Er mischt sich in Großbritannien pro Hard Brexit ein, protegiert dabei tendenziell Andersartige wie er, beleidigt Mitglieder des Königshauses, lässt die Queen stehen und bepöbelt rasch noch die Bürgermeister von London und New York. Das nationale Gemetzel um den Brexit ist nicht besser – eher lächerlich, stünden da nicht Extremisten und Politclowns schon in den Startlöchern. China und USA üben sich weiter darin, per Wirtschaftskrieg dem eigenen Volk ebenso zu schaden wie dem des erklärten Feindes. Und Huawei Handybesitzern. Das Klimaproblem sollte wissenschaftlich zu verarzten sein, stattdessen dominiert interessengesteuerte Meinungsmache. In Österreich stiften Rechtsgerichtete, Korruption und Machtspielchen weitreichendes Chaos. Auch Deutschland zerlegt sich politisch selbst – immer dann erkennbar, wenn das Unwort „Erneuerung“ herhalten muss. Turnusmäßig sorgt die SPD als führungs- und langsam inhaltslose „Volkspartei“ für Verwirrung. Es geht nicht mehr um Wähler, Politik, Probleme, Lösungen. Trotzdem ist gerade bei den vom Kentern bedrohten Volksparteien das Erstaunen groß, wie radikale Kräfte und politische Kleinkrieger, die Deutschland bzw. Europa via Tierschutz oder Comedy lenken möchten, an Zustimmung drastisch gewinnen. Die CDU macht sogar ihre Erneuerung zu einer Farce. Eine abtretende Kanzlerin, der eine wählerwirksame Nachfolge scheinbar nie ein Gedanke wert war. Eine charismafreie neue Vorsitzende, der reden ohne etwas zu sagen leicht fällt, nicht jedoch eine souveräne Führungsrhetorik. Und schon gar nicht eine kluge Reaktion auf Kritik junger Leute, die der CDU als Wähler inzwischen komplett abgehen. Aber auch ein YouTuber, der sich selbstverständlich im Medium seiner Wahl zu Wort melden und (fast) jede nur denkbare Meinung vertreten darf, fällt durch: Einem weitergehenden, persönlichen Austausch von Argumenten nur zuzustimmen, wenn ein Kurswechsel bereits vorab versichert wird, ist so absurd wie undemokratisch. All diese Themen hätten von intelligenten Erwachsenen, Mitbestimmung, gesundem Menschen- und Sachverstand, Objektivität, Kompromissbereitschaft und Verantwortlichkeit handeln müssen. Ich komme zurück auf die Frage der Menschen: „Und was ist mit uns?“ Ganz ehrlich – ich fühle mich wie ein Zuschauer im eigenen Stück, das mehr und mehr ohne fähige Regie auskommen muss. Sehr merkwürdig.