Sprung auf der Schüssel

Richtig gelesen. Ein Sprung AUF der Schüssel. Nämlich im Klodeckel – Pardon, WC-Sitz. Einen solchen hatte ich auszutauschen. [Fußnote: Hauptberuflich Worte klug zu sortieren und handwerkliche Tätigkeiten müssen sich nicht ausschließen.] Auf zum Baumarkt meines Vertrauens, ich möchte hier keine Namen nennen. Ich kaufe also im Hagebaumarkt Wörmcke in Uetersen einen neuen WC-Sitz. Ein preiswertes, aber nicht das billigste Modell. Die Eigenmarke, sogar mit Metallscharnieren, für 27 Euro. Stolz macht sich breit, da das gute Stück nicht nur im richtigen Maß gekauft, sondern irgendwann auch perfekt installiert war. Meine 75 Kilogramm Lebendgewicht lassen sich für einen Moment auf dem geschlossenen WC-Sitz nieder. Knacks, kaputt, der Deckel mutiert zu zwei Halbdeckeln. Der Stolz verebbt. Alles zurück bauen, verpacken, die Rückgabe übernimmt meine Frau. Mit bis zu drei Baumarkt-Protagonisten bekommt sie eine Riesenshow geliefert. Wie kann man sich auf den Deckel setzen, das darf man nicht, das tut kein Mensch, das weiß doch jeder. Die Tonalität steht dem Inhalt in nichts nach – oberlehrerhaft, persönlich, unverschämt. Ergebnis: Rücknahme abgelehnt, den gleichen (miesen) Sitz gäbe es für den halben Preis noch einmal, Abbruch der Verhandlungen, Show zu Ende. Mal ganz ehrlich, jeder – in Worten: jeder – sitzt hin und wieder auf dem Klodeckel. Konditioniert von den Eltern als Sitzgelegenheit beim Zähneputzen bis ins hohe Alter. Auf der Packung des WC-Sitzes steht übrigens nichts davon, dass das Sitzen auf dem Deckel zur sofortigen Zerstörung führt. Ich wende mich an die Zentrale. Die hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG, Abteilung Kundenservice – diese Bezeichnung vernichtet sich im Weiteren selbst – gibt sich formell. Sie nennt sich „Inverkehrbringer“ des Artikels. Dieses Wort werde ich zwingend in meinen gebräuchlichen Wortschatz aufnehmen. Die Vorgeschichte aus dem Markt blieb scheinbar ungelesen, denn genau dahin möchte man mich entsenden. Ich wiederhole mich gern. Einen Mangel im Einzelfall räumt man nun ein, scheinbar darf doch auf dem Deckel gesessen werden. Erstattung – trotzdem Fehlanzeige. Vielleicht liefert ja der Hersteller einen neuen Sitz lautet der Vorschlag. Meine Zeit und meine Nerven lehnen einen zweiten Versuch mit dem gleichen Produkt erneut ab. An dieser Stelle verabschiede ich mich aus dem Disput und von 27 Euro plus Versandkosten. Ich fasse zusammen: Der Markt vor Ort macht für 27 Euro einen jahrezehntelangen Kunden zum Ex-Kunden. Der Inverkehrbringer (ich bin immer noch fasziniert) macht sich für 27 Euro zum Gespött. Der Hersteller macht weiter sprunghafte Deckel. Was tun? Konsequent sein. Wer einen solchen Laden nie wieder betritt und gern davon berichtet – beides tue ich mit Freude –, kann vielleicht ein bisschen was bewegen. Meine Meinung.