Sozial oder asozial?

Armes Deutschland. Der Sonderparteitag hat endgültig gezeigt, in welchem Aggregatzustand sich die SPD befindet. Statt fest mit Antworten auf politische Sachfragen und deutsche Probleme zu punkten, verflüssigt sie sich durch Zerrissenheit, Inkonsequenz und Selbstmitleid. Was kommt als Nächstes? Verdampfen, weil die Wähler das nicht länger mittragen? Herr Schulz schwenkt schon am Wahlabend beleidigt (und beleidigend) die weiße Fahne und bleibt trotzig wie ein schlecht gelauntes Kind bis zum Scheitern von Jamaika. Da fällt die Kehrtwende schwer. Aber man gibt sich gnädig, die Nation und der Bundespräsident rufen. Also wird sondiert, verabschiedet und Stunden später angezweifelt. Das schafft Vertrauen. Die SPD ist geteilt, die Wähler bleiben ungefragt, Herr Schulz erntet nur noch müden Beifall, Frau Nahles wird in den Ring geschickt. Während in der Oppositionsabsicht die Union noch „in die Fresse kriegen sollte“, wird nun mit der Union „verhandelt bis es quietscht“, namentlich mit „der Merkel“ und „dem blöden Dobrindt“. So klingt also die Zusammenarbeit, für die im selben Atemzug geworben wird. Damit haben wir das rhetorische Niveau eines blonden Staatsoberhaupts erreicht, wenn auch über 140 Zeichen hinausgehend. Wobei man einräumen muss, dass auch Dobrindts „Zwergenaufstand“ weder konstruktiv noch sonderlich respektvoll war. Positiv auffällig ist aktuell der Juso-Chef Kevin Kühnert, der seine GenossInnen nicht wie Schulz und Nahles von der Bühne aus – warum auch immer, das Mikro funktionierte tiptop – anbrüllt, sondern ruhig argumentiert. Nur, dass er eben gegen die GroKo ist. Funktioniert die zwingende Erneuerung der SPD vielleicht eher durch einen Generationswechsel statt durch verschlimmbessernde inhaltliche und personelle Scharmützel? Egal welcher Weg, er braucht Zeit. Asoziales Benehmen, gerade von sogenannten „Sozial“demokraten, hat in der Politik jedenfalls keinen Platz. Meine Meinung.