Schön geredet

Wunderbar, die Koalitionsverhandlungen sind fertig, sogar nahezu in time. Und mit was für positiven Ergebnissen! Unterschiedlichste Standpunkte wandelten sich in Einvernehmen. Wie breitschultrig die politischen Leitfiguren schließlich vor die Presse traten und schön geredet haben. Oder genauer: schöngeredet haben. Alle. Jeder von ihnen ist als Sieger aus den Verhandlungen hervorgegangen und hat den nächsten vier Jahren seine Handschrift verpasst. Jeder von Ihnen kann stolz vor seine Wähler und seine Parteibasis treten und sich feiern lassen. Und jeder ist mit den Ministerposten überaus glücklich, die sein Lager kassieren konnte – weil es zweifelsfrei die wichtigsten sind. Auch wird sich jede der Parteien in dieser Koalition erneuern (vermutlich das Unwort des Jahres 2018) und in vier Jahren bereit für eine absolute Mehrheit sein. Liebe Politiker. Ihr steht vor Kameras und sagt solche Dinge. Und glaubt, die Menschen glauben das. Tatsächlich? Wie viel rhetorische Kosmetik darf man missbrauchen, um noch einigermaßen ernst genommen zu werden? Und wie fühlt es sich an, sich einfach mal selbst zuzuhören? Ich warte auf einen ehrlichen Volksvertreter, der wirklich schön redet: „Ja, das Wahlergebnis ist heterogen. Das ist Demokratie. Probleme jedoch sind real, meist objektiv einzugrenzen. Daher übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung und werden jedes einzelne Thema intensiv bearbeiten. Das Ergebnis wird überparteilich und schlicht so erfolgreich wie möglich für die Menschen sein. Das ist gelebte Demokratie.“ Wer wird das tun? Ich bin so gespannt wie zweifelnd. Meine Meinung.