Schämt euch

Weihnachten. Das Fest der Liebe und Zuwendung. Emotionell wie materiell. Und augenscheinlich die bevorzugte Zeit für Funktionäre, die den Menschen gemäß ihrer Bestimmung – und vor allem ihrer Eigenwahrnehmung – Gutes tun wollen, sich so abscheulich wie möglich zu verhalten. Ich spreche von Verdi, die genau dann versuchen, Amazon den Hahn zuzudrehen. Natürlich, Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, Missstände aufzudecken, faire Verhältnisse zu schaffen ist löblich und richtig. Dabei das Konzept Amazon zu hinterfragen, auch. Dies in der Vorweihnachtszeit zu tun und zu Streiks aufzurufen, wenn es „am meisten weh tut“ (Zitat) und zu versuchen, dass „Weihnachtspakete möglichst nicht ankommen“ (Zitat) ist billig und schändlich. Wem wird es wehtun: enttäuschten Kindern, denen man den eigentlich ernsten Hintergrund kaum verständlich machen kann und Eltern, die Augen rollend vor ihren Kindern stehen und genau das versuchen. Es trifft alle Menschen, die anderen gern eine Freude machen. Erneut scheint es rechtens zu sein, durch das so angewendete gesetzmässige Streikrecht eine Unzahl von Dritten in einer Form zu benachteiligen, die ganz offensichtlich mehr als unverhältnismässig ist. Und es ist nur ein Beispiel, im Flug- und Bahnverkehr und manchen anderen Branchen taktieren die Gewerkschaften nicht anders. Haben die klugen Menschen, die seinerzeit das Grundgesetz formulierten, diese Auslegung und diese Konsequenzen wirklich im Sinn gehabt? Ich hoffe nicht, bin aber nicht sicher. Warum wird so wenig darüber geredet – und noch weniger getan? „Schämt euch“ ist eine freundliche Variante dessen, was ich zu diesem Thema gern geschrieben hätte. Es waren schöne Weihnachten! Trotz dieser Sinn entstellenden Nebenschauplätze. Meine Meinung.