REBELLION

Ob mich jemand für seine Sache gewinnen kann, wenn er mich vorher nervt, behindert, schädigt oder mir ähnlich Unangenehmes antut? Kurz: nein. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, aber nicht alle Synapsen scheinen perfekt zugeordnet. Wie erklärt sich sonst der Irrglaube an bessere Zustände durch Zerstörung? In Kriegen alles dem Erdboden gleich gemacht und viele tote Menschen sind ein Erfolg versprechender Start in ein feines Leben? Streikende Airport-Mitarbeiter verursachen Millionenschäden, kippen zehntausende Urlaube und noch mehr Geschäftstermine für persönliche Anliegen? Das turnusmäßige, vermeintlich politisch motivierte Zerlegen von Innenstädten ist der Nachweis dafür, dass radikale Randalierer die klügeren Köpfe sind? Immer noch: nein. Aktuell reihe ich auch den Extinction-Rebellion-Protest in diese geistige Verwirrung ein. Ich kenne niemanden, der nicht gegen Klimakatastrophen und das Aussterben von Menschen, Tieren und Pflanzen ist. Ich kenne allerdings auch niemanden, der dafür permanent an die Allgemeinheit adressierte Schikanen bejubelt, die nichts mit dem Thema zu tun haben und eben nicht die – mitunter recht großzügig dazu bestimmten – Verantwortlichen berührt. Endlose Staus (vorteilhaft fürs Klima! – Ironie Ende), zu spät zur Arbeit kommen, Kranken- und Einsatzwagen, die Notfälle kaum mehr erreichen, Handwerker und Lieferanten, die neben ihrer Geduld auch Umsatz verlieren, Polizisten, die ebenso pro Umwelt eingestellt sind und sich dennoch von Gleichgesinnten bespucken lassen müssen. Dazu summieren sich ungeheure Kosten als Konsequenz solcher Aufstände, die wir alle bezahlen und die an anderer zweckgebundener Stelle nützlich gewesen wären. Erschwerend sei vermutet, dass nicht wenige der wochenlang Rebellierenden eher zu den Nehmern als zu den Gebern staatlicher Mittel gehören. Eine ganze Woche lang Großstädte lahmlegen – ich kenne die Zielgruppendefinition von Extinction Rebellion nicht, ich hätte deren löbliche Absichten bereits mit einer guten Aktion verstanden. Liebe Rebellen (unglücklicherweise ist bereits dieses Wort mit einer gewissen Gewaltbereitschaft verbunden), seid kreativ: Macht Aktionen, die wirklich mit Umwelt zu tun haben, die positiv Aufmerksamkeit und damit auch Zustimmung generieren, engagiert euch in den Gremien, die ihr sonst bepöbelt und bringt die Bevölkerung auf eure Seite, nicht gegen euch auf. Erfolg ist größer, wenn alle mitmachen. Das könnte eure neue Aufgabe sein. Meine Meinung.