KLEINGEPIXELTES

Gegen Fernseh- und Radiowerbung habe ich nichts, schließlich gehört dieses Kreativfeld zu meinen Aufgaben. Demnach bin ich auch kein ups-Werbung-umschalten-oder-erleichtern-gehen-Konsument. Jugendschutz, Verbraucherschutz, Wettbewerbsrecht, Compliance usw. – alles richtig und nützlich. Es verschont uns beispielsweise vor Werbung für Tabak, Schnaps und verschreibungspflichtige Medikamente. Beim Schnupfenspray lässt man uns pro forma immerhin noch „unseren Arzt oder Apotheker befragen“. In Glücksspielkampagnen darf auf dem – wenig überraschenden – Weg zur Sucht ein Hinweis auf eine Beratungsstelle nicht fehlen. Keine Regel ohne Ausnahme – oder sind die Lobbyisten mancher Branchen einfach pfiffiger? Telekommunikationsanbieter zeigen in TV-Spots die wunderbarsten Angebote und Preisknüller für ihre Tarife. Automobilhersteller bieten die schönsten Karossen zu Leasingraten oder zinslosen Krediten an, die jedem Vergleich standhalten. Offensichtlich. Selbstverständlich müssen die genauen Konditionen zwingend genannt werden. Das tun die Anbieter: Die juristisch anspruchsvoll formulierten Bedingungen des Telefontarifs – plötzlich eher langfristig bindend als spektakulär günstig – füllen eine A4-Seite in Mäuse-Schrift. Wer liest sich die nicht gern durch, am besten direkt im Shop. Das Leasingangebot für das neue Schätzchen deckt im Kleingedruckten eine hohe Schlussrate, dafür aber geringe Kilometerleistung auf. Auch der Hinweis, dass das überaus verkaufsfördernde Titelbild des Topmodells Ausstattungsmerkmale zeigt, die im Angebot nicht enthalten sind, trägt zur Begeisterung des Interessenten am Ende wenig bei. „Bitte fragen Sie Ihren Rechtsanwalt, Bankberater oder Insolvenzverwalter“. Zurück zum Fernsehen. Die nach geltendem Recht mitzuteilenden Bedingungen finden sich im Lauftitel am unteren Bildrand. Das Tempo ist nicht einmal theoretisch für das menschliche Auge geeignet, die Schriftgröße für die Auflösung eines Fernseher in HD-Qualität auch nicht. Jugendschutz, Verbraucherschutz, Wettbewerbsrecht, Compliance usw. – wie lassen sich vorsätzlich unlesbar dargestellte Pflichtangaben ungestraft damit verbinden? Oder verbrauchen Lebensmittel-Ampeln aktuell alle personellen Ressourcen der Politik und beteiligten Institutionen? Merkwürdig.