Bis eins zählen

Böse Zungen stempeln – nach deren Meinung – geistig schlichter ausgestattete Menschen mit der Metapher „nicht bis drei zählen können“ ab. Das mag gerechtfertigt sein oder nicht. Bei rücksichtslosen Egoisten geht das jedenfalls schon bei eins los. Diese Gattung findet sich zum Beispiel auf Flughäfen. Während der „normale“ Fluggast sein Gepäck beim Einchecken am Schalter aufgibt und ein (in Worten: ein) geeignetes Handgepäckstück mit an Bord nimmt, verfolgt diese Spezies ein anderes Konzept. Alles, was auf das größtmögliche Bordcase noch drauf gestellt, sich selbst umgehängt oder auf den Rücken geschnallt werden kann, sollte doch wirklich als ein Stück durchgehen. Größen- und Gewichtsangaben? Drauf gepfiffen. Etwas Platz für jeden Passagier in den Ablagefächern über den Köpfen? Sollen sie sich halt den Fußraum vollstellen. Nach der Landung aufs Gepäck warten? Mögen das andere tun und den Kreisverkehr – durch die geschlossene Front der nicht minder egomanen Wartenden in der leidenschaftlich erkämpfen ersten Reihe direkt am Band – genießen. Mein Glauben an die Menschheit: getrübt. Bei wie kleinen Vorteilen fangen Menschen an, sich dafür offen als Idiot zu outen. Mein Glauben an die Professionalität des Bodenpersonals: getrübt. Beim Check-in, bei der Sicherheitskontrolle und beim Boarding wäre diese Vorschrift entspannt durchzusetzen. Der Höhepunkt vor wenigen Tagen: Da meine Maschine voll ausgebucht war, wurden dann doch größere Handgepäck(?)teile vor dem Einsteigen direkt am Flieger eingezogen. Während wir anderen Fluggäste, bereits unpassend gekleidet, auf dem Flugfeld vor der Maschine in der Schlange zitterten. Was ist zu tun? Ganz einfach. An Regeln halten oder zu Hause bleiben. Ein bisschen gute Kinderstube ins Spiel bringen. Meine Meinung.